Die Büroangestellten kennen das Reinigungspersonal nur noch, wenn sie Überstunden machen - Druck auf Arbeitsbedingungen und Entfremdung durch Outsourcing

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Blog Daniel Lampart

Die meisten Büroangestellten treffen die Leute, die ihre Büros putzen, meist nur noch, wenn sie Überstunden machen. Kennen tut man sich kaum. Das war auch schon anders. Bevor vor allem in den 1990er-Jahren die Reinigung, die Kantine oder der Hausdienst ausgelagert wurde, sass man beim Weihnachtsessen, in der Kaffeepause oder beim Betriebsausflug oft im selben Raum. Sowohl bei den Banken, der Industrie oder der öffentlichen Hand.

Das erweiterte nicht nur den eigenen Horizont. Sondern es führte auch dazu, dass das Reinigungs- und Kantinepersonal etwas bessere Arbeitsbedingungen hatte. Mit der Auslagerung entstand Druck auf die Arbeitsbedingungen. Und man entfremdete sich.

Für Deutschland gibt es eine beeindruckende Studie, die diese Entwicklung sehr detailliert nachzeichnet (Grafiken ab S. 42). Aufgrund der für die Schweiz verfügbaren Daten ist es schwierig, ein genaues statistisches Bild zu geben. Doch die Tendenz ist auch klar sichtbar. In den 1990er-Jahren waren viel weniger Gebäude-ReinigungerInnen und Hauswarte in einer Reinigungsfirma angestellt als heute. Oder umgekehrt: Der Anteil der ReinigerInnen, die einen anderen Arbeitgeber als eine Reinigungsfirma hatten, war gemäss den Schätzungen mit den offiziellen Zahlen rund sieben Mal höher als heute. Man sollte diese Zahlen zwar nicht ganz zum Nennwert nehmen, da sie aus verschiedenen Erhebungen stammen. Doch der Outsourcing-Trend ist unverkennbar.

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Daniel Lampart

Sekretariatsleiter und Chefökonom

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